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Einfach mal den Unternehmen Freiraum geben

FDP-Landeschef Michael Kruse ist empört über viele Schieflagen in der Hamburger Politik

Seit kurzem ist der Alstertaler Biotech-Unternehmer Michael Kruse Landesvorsitzender der Hamburger FDP. In einem faszinierenden Gespräch (als Podcast kostenlos hörbar!) spricht er über die Zukunft der Stadt Hamburg – und die zahllosen Versäumnisse rot-grüner Senatspolitik. 

Die FDP ist wieder da! Diesen Eindruck kann man derzeit gewinnen. Die rot-grünen Bevormundungen sind in Sachsen-Anhalt gnadenlos abgestraft worden. Doch wie steht es um Hamburg? Braucht hier noch irgendjemand die FDP? „Ja“, sagt Michael Kruse, „für eine bessere Politik in der Stadt! Die Corona-Politik des Senats hat das noch einmal sehr deutlich gemacht! Obwohl wissenschaftlich längst bestätigt ist, dass im Freien keine Infektionen stattfinden, hatte der Senat lange die Außengastromie geschlossen gehalten!“ Das hätten allen sehr deutlich gemacht, dass eine „freiheitliche“ Stimme dringend in der Stadt gebracht wird! „Wir müssen den Staat vom Menschen her denken“, so Kruse, und nicht umgekehrt.

Doch die Hamburger FDP hat einen Leidensweg hinter sich. Nur eine Abgeordnete stellen derzeit die Liberalen im Rathaus – die Hamburgerinnen und Hamburger entschieden sich mit überwältigender Mehrheit für Rot-grün.

Verkehr, Stadtentwicklung und Wohnungsbau standen im Vordergrund, da hatte die FDP wenig anzubieten. Die FDP-Kompetenzfelder Wirtschaft wurden nicht so stark wahrgenommen. Da soll sich etwas ändern. Doch welchen Change will die FDP vollziehen? „Wenn im Bereich Verkehr hier zum Beispiel ins Alstertal schaue, stelle ich fest, dass die Menschen hier verstört sind von der Verkehrspolitik des Senats, der nur noch auf Fahrradfahrer abzielt.“ Die Menschen werden zerrieben von dem Gedanken, dass sie sich entweder als Fahrrad- oder als Autofahrer definieren müssen. Dabei muss integriert gedacht werden. Wir seien doch, so Kruse, sowohl Nutzer der öffentlichen Nahverkehrs, sind Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer. Mit dem Rad aus dem Alstertal täglich in die City zu fahren und zurück, als 100 Minuten täglich sich höchster Gefahr auszusetzen, erleben die Menschen hier als Zumutung.

Der Umgang mit Corona hat viele Hamburger Unternehmen an den Rand der Existenz gebracht worden. Und die versprochenen Corona-Hilfen kommen nicht an. Kruse: „Ich habe befreundete Gastronomen, die 8.000 Euro für ihren Steuerberater ausgegeben haben, um 7.700 Euro Corona-Hilfen zu bekommen!“ Da liege soviel im argen, das dringend aufgearbeitet werden muss. Andere haben, so Kruse, besondere Steuerprüfungen bekommen, weil das Finanzamt sagt, sie haben im Corona-Lockdown so wenig Umsatz angegeben, merkwürdig, dass wollen wir uns doch mal genauer ansehen! Kruse will jetzt jenen betroffenen Unternehmen Raum geben, um sich aus den Verlusten herauszuarbeiten. Genauer: 2021 und 2022 will Kruse keine Steuerprüfungen, keine Sozialversicherungsprüfungen, keine Statistikpflichten! Das soll später nachgeholt werden. „Wir verzeichnen einen tiefgreifenden Strukturwandel in der Stadt“, so Kruse, der dringend wahrgenommen werden muss. Als Beispiel nennt er das „Industrie-Filetstück“ in Hamburg Steinwerder, für das die Stadt 120 Millionen Euro ausgegeben hat. Es ist aber seit Jahren eine Brachfläche. Der Senat seie viel zu passiv. Als Beispiel nennt er die Firma Intel, die in Deutschland einen Standort sucht für ein neues Halbleiterwerk. „Warum steht bei denen keiner auf der Matte?“, fragt sich Kruse. Der Senat sei dafür zu selbstzufrieden, irgendwie läuft es ja, reiche wohl. Die Behörden, so wird kolportiert, sind stattdessen ausgelastet mit Gendersprache. Aktuelle Anweisung: Statt „die Lehrerin, der Lehrer, die Lehrerinnen und Lehrer“ darf nur noch: „die Lehrende, der Lehrende, die Lehrenden“ gesagt oder geschrieben werden. Für Industrieansiedlungen ist derzeit keine Zeit.

Die Zukunft der Stadt aber liegt in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Wir leben, so Kruse, im Zeitalter der Biotechnologie. Als Beispiel nennt er die modernen Impfstoffe, die in kürzester Zeit entwickelt werden konnten. Hier sind gewaltige Zukunftschancen, die Hamburg aber nicht aufgegriffen hat. Die neuen Unternehmen siedeln sich woanders an. Hier müssen wir Kompetenz entwickeln. Das aber entsteht auch über die Vernetzung von Industrie mit Forschung und Lehre.

Auch die Digitalisierung hat dringend Nachholbedarf, so Kruse, ganz besonders in der Hamburger Verwaltung. Es gibt ein sogenanntes „Onlinezugangsgesetz“. Das regelt, dass die Hamburger Behörden alle wichtigen und relevanten Veraltungsprozess online regeln sollen. „Davon sind wir allerdings Jahre entfernt“, beklagt Kruse.

Michael Kruse bewirbt sich ebenfalls um einen Platz im Deutschen Bundestag. Hören Sie im Podcast, welche Bundespolitischen Weichen er stellen möchte, auch als Mitglied des FDP-Bundesvorstandes.

Jetzt das ganze Gespräch kostenlos als Podcast hören:

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Dresden: Roman über die letzten Jahre der DDR.

In einem Literatur-Talk spricht Wolfgang E. Buss mit dem Volksdorfer Autoren Prof. Dr. Michael Göring über sein neues Buch „DRESDEN“. (Jetzt als kostenlosen Podcast zu hören!) Es beschreibt die letzten Jahre der DDR – von 1975 bis 1989. Während zahlreicher Reisen und Besuchen in die DDR begegnet der westdeutsche „Fabian“ den Menschen im anderen Deutschland und beschreibt diese Phasen wunderbar detailreich.

Er war lange der Chef der Hamburger ZEIT-Stiftung. Und er hatte ein „Hobby“, Romane schreiben: Der Volksdorfer Michael Göring. Nun hat er ein neues Buch veröffentlicht.  Es ist eine Familiengeschichte über die letzten Jahre der DDR. Denn dort kennt sich der Autor aus. Er selbst fuhr bereits 1975 das erste Mal in die DDR. Und knüpfte dort Freundschaften. Die sich so entwickelten, dass er immer wieder in den Osten fuhr, meistens nach Dresden.

Und aus diesen reichen Erfahrungen hat er heute, 30-50 Jahre später, diesen Roman geschrieben. Im Gespräch verrät er mir auf die Frage, wie der Detailreichtum dieser Erzählung entstehen konnte, und dass er bereits damals seine Erfahrungen in Form von Notizen und Tagebuchseiten aufgeschrieben hat.

Im Mittelpunkt steht „Fabian“, ein neugieriger Student aus der BRD, der in genau dieser Zeit immer wieder in die DDR reiste. Ist Fabian eigentlich Michael Göring, „Dresden“ ein Stück Autobiografie? Göring beschreibt „wunderbare Menschen“ in der DDR, die in einem schwierigen System, indem sie immer wieder Angst haben mussten, dass die Stasi mithörte. Und wo man immer Gefahr lief, wenn man mal einen „klugen Gedanken“ äußerte, ins Interesse der Behörden geriet. Doch es gab auch eine sehr intakte, integre Bevölkerung, so die Erinnerungen Görings.

Als er mit seinem Westauto in die DDR fuhr, traf er auf viele interessierte, meist junge Menschen, erzählt Göring im Podcast. Einen Wunsch hatten sie alle, der sie verband: Sie wollten Reisen! Andere Menschen, andere Länder kennenlernen – und nicht nur in den Ostblock. Das Volk hungerte danach, überall hin reisen zu dürfen. „Und später wurde daraus der Wunsch nach Freiheit“ fügt der Autor an. 

Der Roman beschreibt die Dresdener Familie, deren 18-jähriger Sohn versucht, durch die Elbe zu schwimmen, um in den Westen zu gelangen. Er wird aufgegriffen, ins Gefängnis gesteckt, der Vater darf nie wieder ins Ausland reisen.

Die Hauptfiguren des Romans sind gebildete, Kunst- und Musik begeisterte Dresdner. 

Wolfgang E. Buss fragt nach: „Ich bin nur einziges mal in die DDR gefahren, mit dem Auto nach Ostberlin. Doch die Schikanen und Erniedrigungen, die ich an den Grenzkontrollen über mich ergehen lassen musste, von ganz kleinen Leuten, haben mich so angewidert, dass ich mir schwor, mir das nie wieder anzutun. Wie ging es Ihnen bei Ihren vielen DDR-Reisen?“ „Nun, das war wirklich eine Tortur, lächerlich, einfach fürchterlich – besonders an den Übergängen in Berlin. Aber ich dachte, das sind zwei blöde Stunden an den Grenzkontrollen, dann bist du wieder auf der anderen Seite, aber dann war es für mich irgendwie abgehakt.

Der Roman endet mit dem Ende der DDR, beschreibt also noch den politischen Wandel und den Aufbruch. Kai, der einst versuchte, durch die Elbe schwimmend in den Westen zu fliehen und dafür im Knast landete, sitzt plötzlich in einem der 14 Flüchtlingszüge von Ungarn nach in die BRD, Genscher hatte in seiner legendären Rede die Ausreisegenehmigung angekündigt.  

Wird es noch eine Fortsetzung – einen Nachwende-Roman geben? Was wurde aus den Träumen der Dresdner Protagonisten vom goldenen Westen? Blühende Landschaften oder tiefe Enttäuschungen?

Michael Göring wird in Zukunft mehr Zeit haben zum Schreiben. Und der Gedanke, die Entwicklung eines gemeinsamen Deutschlands, des Zusammenwachsens, ebenso wie die bis heute gebliebenen Unterschiede zwischen Ost und West, zu beschreiben, ist im Autor bereits präsent. Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat aktuell noch einmal Anlass gegeben, die Unterschiede zu thematisieren. Wir dürfen gespannt sein.

Hören Sie das ganze Gespräch mit dem Autoren in einem spannenden Podcast:

Buchhinweis:

Michael Göring: DRESDEN, Roman einer Familie. 300 Seiten, Osburg Verlag, 24,- Euro (auch als Hörbuch erhältlich)

Grafik: Bilder Dresden und Göring auf CANTO.

Fotos: David Ausserhofer. (Portraits Göring)

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Musikliebhaber und ihre Gitarre

Nachwuchsförderung at it´s best! Der in Hummelsbüttel ansässige Verein „GitarreHamburg.de“ bietet viel Musik, tausende Gitarrenklänge und viel Engagement! Alles dreht sich um das Instrument mit den sechs Seiten.

Als der im schönen Alstertal ansässige Gitarrenlehrer Christian Moritz vor rund 20 Jahren die Website GitarreHamburg.de veröffentlichte, ahnte nicht einmal er selbst, was sich aus der Idee eines Austauschportals für Gitarreninteressierte entwickeln würde. Mittlerweile firmiert GitarreHamburg als gemeinnützige GmbH und ist Träger vieler erfolgreicher Projekte rund um die Nachwuchsförderung junger Gitarristen in der Hansestadt.

Im Zentrum der Arbeit steht das JugendGitarrenOrchester-Hamburg, das Preisträger des Deutschen Orchesterwettbewerbs 2012 sowie 1. Preisträger im Landesorchesterwettbewerb Orchestrale in 2011, 2015 und 2019 wurde, mit fünf vielbeachteten CD- und DVD-Produktionen auf sich aufmerksam machte und in diesem Jahr vom 12. – 15.08.2021 sein fünfzehnjähriges Bestehen feiert. Mit den JGOH-Juniorteams- Nord und Ost verfügt es über zwei eigene Nachwuchsorchester. In dem sozial schwierigen Umfeld von Hamburg Billstedt initiierte GitarreHamburg zudem in 2018 ein Projekt, in dem mittlerweile weitere 80 Kinder kostenlosen Gitarrenunterricht erhalten.

Im Rahmen der Hamburger Gitarrentage und des Hamburger Gitarrenfestivals – Kulturpreisträger Hamburg-Nord 2010 – werden regelmäßig Konzerte, Kurse, und Workshops veranstaltet, bei denen der Nachwuchs in den ganz direkten Kontakt mit den weltbesten Gitarristen der unterschiedlichsten Stilrichtungen kommt, um von ihnen zu lernen und mit ihnen aufzutreten.

Von 2003 bis 2021 erspielte sich der Nachwuchs auf dieser Basis sagenhafte 226 Preise im Wettbewerb Jugend musiziert, bis hin zu ersten Bundespreisen mit Höchstpunktzahl. 

Selbst Corona konnte das Engagement von GitarreHamburg nicht stoppen. Schnell wurden alle Angebote digitalisiert und sogar ein kostenloser YouTube-Gitarrenkurs auf für Kinder produziert. Mit „feat. JGOH“ konnte das JGOH im April dieses Jahres sogar eine neue DVD präsentieren.

Mehr Informationen für Kinder und Jugendliche, die in einem Orchester mitspielen oder in einer Gitarrenklasse mit dem Gitarrelernen beginnen möchten: www.gitarrehamburg.de.  

(Fotos: CANTO „Gitarre Hamburg“)

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Was wird aus dem Hamburger Hafen?

Ein Hafen-Talk als Podcast mit dem Wandsbeker Hafenexperten Ingo Egloff (SPD).

Der Hafen Hamburg! Er legte einst das Fundament für Hamburgs Wohlstand. Er ist jenes „Tor zur Welt“, auf das die Hamburger seit Jahrhunderten stolz sind.

Im Mai diesen Jahres sollte sein 832. Geburtstag gefeiert werden, doch der fällt nun schon zum zweiten mal aus – weil die Stadt die Corona-Pandemie nicht in den Griff bekommt. Doch wird der Hafen in der Zukunft noch jene Bedeutung für die Stadt haben, die ihn einstmals auszeichnete? Darüber sprechen wir mit einem Mann, der es wissen muss: Ingo Egloff, Vorstand der Hafen Hamburg Marketing. Er war 20 Jahre Abgeordneter für die SPD in der Bezirksversammlung Wandsbek, dann zehn Jahre in der Hamburgischen Bürgerschaft, dort lange als Vorsitzender vom Wirtschafts-Ausschuss. Und er saß knapp drei Jahre im Deutschen Bundestag, bevor er Vorsitzender der Hafen Hamburg Marketing wurde.

Doch was macht diese Initiative, fragen wir Egloff: „Wir sind ein Verein, der auf der einen Seite Werbung macht und auf der anderen Seite knapp 300 Unternehmen aus der Hafen- und Logistikbranche vertritt. Und das weltweit. Wir sind so gut wie gar nicht in Hamburg tätig, denn hier muss keiner Werbung für den Hafen machen. Wir sind im so genannten „Hafenhinterland“ tätig, auch auf anderen Kontinenten, in Asien zum Beispiel, in Shanghai, Hongkong oder Mumbai. Aber auch in einigen europäischen Ländern sind wir mit Repräsentanten vertreten. In Vor-Corona-Zeiten hatten wir ungefähr 120 Präsenzveranstaltung weltweit! Wir pflegen zu 600 bis 700 Journalisten weltweit Kontakte und zu ungefähr global 30.000 Unternehmen.“

– Und trotzdem hat der Hamburger Hafen weltweit an Bedeutung verloren. Rotterdam und Antwerpen sind längst deutlich größer. Woran liegt das? Egloff: “Das hängt mit entsprechenden Entwicklungen in der globalen Wirtschaft zusammen“, erklärt er. „Hamburg gehörte mal Anfang des 20. Jahrhunderts zu den drei größten Häfen der Welt – neben London und New York – von London redet niemand mehr und New York ist kleiner als Hamburg! Das hängt natürlich ein Stück weit mit der Situation der Schifffahrt zusammen. Wir haben auf Seiten der Reedereien große Allianzen erlebt, wenn vor zehn Jahren noch 20 Schifffahrtslinie zwischen Asien und Europa gefahren sind, das sind die Hauptmärkte, dann fahren jetzt noch acht, und die fahren in drei Allianzen. Das Geschäft wird im wesentlichen auch von denen gesteuert. Wenn eine Reederei beispielsweise einen Terminalverbund in Antwerpen hält, die MSC als zweitgrößte Reederei der Welt, dann versuchen die natürlich auch, an ihrem Terminal in Antwerpen viel abzuarbeiten. Weil sie da zweimal verdienen: Einmal auf der Terminal-Seite und auf der Seite der Schifffahrt.“ 

– Doch es gibt zur Entwicklung des Hafens noch eine Reihe weiterer Fragen: Wie können Rotterdam und Antwerpen 15 % billiger arbeiten als Hamburg? Und: Vermarktet Rotterdam seinen Hafen etwa auch besser, und was heißt das für uns?

– Wer nach Gründen sucht, begegnet schnell dem Problem des Hafenschlicks. Ständig setzen sich Sedimente im Hafen und in den Hafenbecken ab, die die Gezeiten in den Hafen tragen. Das ständig notwendige Baggern aber treibt die Kosten hoch. Wie ist das zu lösen? Werden die Containerschiffe, die zu uns kommen noch größer?

– Ein weiteres Problem unseres Hafens: Wir haben 18 Jahre! – nicht Monate –  lang einen Rechtsstreit durchgeführt, gegen zahlreiche selbsternannte Umweltverbände, inzwischen von gut verdienenden „Professionals“ geführt, die mit dem Rückenwind Verbandsklagerecht alles zum Erliegen bringen können. Warum konnte der Senat sich da nicht durchsetzen, geht es doch um die Lebensnerv der Stadt? Hat das die Chinesen abgeschreckt – und Rotterdam und Antwerpen in die Hände gespielt?

  • Und damit entwickelt sich die wichtigste Frage: Wie steht es um die Zukunft des Hafens? Denn die Chinesen bauen mit der neuen Seidenstraße Zhengzhu bis zum Endpunkt Hamburg eine Güterbahn-Verbindung, auf der Container nur noch 14 Tage unterwegs sein werden. Der Seeweg dauert noch immer 30 Tage! 
  • Und als letzte Frage: Welche Maßnahmen stellt der Senat in Aussicht, um den Hafen zukunftssicher zu machen?

Hören Sie zu diesen Fragen die interessanten Antworten des Hafenexperten Ingo Egloff im Podcast:

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Allgemein Lifestyle Medizin / Ärzte People

Energy! Dr. med. Anne Fleck spricht über ihr neues Buch

Häufig fühlen wir uns müde und antriebslos. Das kann an der Ernährung liegen, erklärt Dr. med. Anne Fleck in einem Podcast mit Wolfgang E. Buss.

Sie ist eine der prominentesten Ärztinnen Deutschlands! Sie ist ebenfalls Bestsellerautorin und TV-Ärztin. Jetzt hat sie ein neues Buch vorgelegt: ENERGY! Und es ist bereits in den Bestsellerlisten ganz oben. „Ich habe das Buch „Energy“ besonders deswegen geschrieben, weil das Thema wichtig ist – aber oft bagatellisiert wird. Leider werden die präventiv-medizinischen Ursachen in der gängigen Behandlungspraxis nicht abgefragt oder laborchemisch geprüft. Die Menschen werden oft mit „bei Ihnen ist alles in bester Ordnung“ abgespeist. Oder sie werden als Doktor-Google-Kranke stigmatisiert oder mit „fahren Sie mal in Urlaub“ entlassen.“

In unserem Gespräch verrät sie aber noch mehr über ihre Arbeit. „Das Buch hat mich einige Jahre meines Lebens gekostet, und es ist nicht nur ein Buch über gute Ernährung – sondern quasi ein Lebens-Almanach“, sagt sie und fügt hinzu: „Wir können nur der Mensch werden, der wir sind, wenn wir genügend Energie haben.“

Doch woran liegt es genau, wenn wir uns müde oder antriebsschwach fühlen, haben wir die Medizinerin gefragt. „Zunächst dürfen wir natürlich keine schwere Depression übersehen, wenn Menschen über eine lange Phase sich antriebslos fühlen.“ Wenn wir uns allerdings, auch durch die aktuelle Corona-Situation, antriebslos fühlen, müssen wir dem nachgehen und die komplexen Zusammenhänge zwischen Körper und Seele analysieren. Insbesondere unser Darm hat großen Einfluss – auch auf unsere Psyche. Wenn wir uns über Jahre schlecht ernähren oder so ernähren, dass es nicht zu unserer körperlichen Verfassung passt, kann das starken Einfluss auf unser seelisches befinden haben.

Doch jeder hat seinen eigenen Körper, ist ein eigenes Individuum. Und für jeden gilt etwas anderes. 

Doch wie können wir herausfinden, was für uns individuell richtig ist? „Diese Frage ist eine sehr wichtige! Denn wir leben in einem Wirrwarr von Informationen, wir leben in einer Zeit, in der sich quasi jeder berufen fühlt, etwas zum Thema guter Ernährung zu sagen oder zu schreiben“, sagt sie uns. Jeder von uns ist tatsächlich ein eigenes Individuum und braucht seine individuelle Medizin und Ernährung. Wir müssen ebenfalls herausfinden, was unser optimaler Schlaflevel ist. Doch nicht nur unser Schlafrhythmus ist wichtig, ebenso ist unser Essens-Rhythmus von Bedeutung. Interessant ist zum Beispiel der Milch-Kaffee. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Milcheiweiß – nicht Milch-Zucker – müde machen kann oder auch immunologisch anstrengend ist. Das herauszufinden – genauso wie ein Experiment – habe ich in meinem ’30 Tagen Selbsthilfeprogramm’ im Buch den Lesern ans Herz gelegt, das ist wichtig. Jeder kann das herausfinden, ohne großem Aufwand: Vertrage ich eigentlich Gluten, also dieses hoch gelobte Bio-Dinkel-Vollkorn Brötchen, was ja einen extrem gesunden Ruf hat? Zu recht – aber: Wenn ich es als Individuum schlecht vertrage, tue ich mir da über Jahrzehnte keinen Gefallen mit, beschreibt sie. Das liegt mir so sehr am Herzen! Man kann über ganz einfache und wenige Experimente herausfinden, was einem gut tut und was nicht. 

Ein schönes Beispiel ist, wenn man heraus findet, dass zwei Gläser Wasser auf nüchternen Magen getrunken so viel Gutes tun können für die Verdauung, für das Energielevel! Also nicht mit Kaffee in den Tag starten – sondern mit zwei Gläsern Wasser! Oder: Dass man weiß, dass man zwischen den Mahlzeiten trinken sollte, und nicht zum Essen, weil man dann die Verdauungssäfte verwässert! Das ist manchmal, durch diese winzigen neuen Rituale, von unglaublicher Wirkung.

Wer in Ihrem neuen Buch liest erkennt, es ist voll von verschiedensten wertvollen Anregungen. Schauen wir etwas genauer hin, kommt uns aber einiges bereits sehr bekannt vor: Viel Gemüse essen, viel trinken, wenig Zucker, nicht rauchen, Alkohol vermeiden, und natürlich viel Bewegung. Eigentlich wissen wir – also jene, die Bücher lesen, das  doch alles schon. Doch warum leben wir nicht danach? Und: Was machen wir mit jenen, die keine Bücher lesen, sondern Unterschichten-Fernsehen schauen, mit unendlich vielen teuren Werbespots, die unglaublich billige und schlechte Lebensmittel bewerben, mit viel Zucker, schlechtem Fett und Alkohol, wie können wir dieser Falle entkommen, fragen wir Dr. Fleck.

„Dass wir dieser Falle entkommen, dafür kämpfe ich seit Jahren! Dazu zählt auch und seit langem, dass wir das Fach „Gesundheit“ in den Schulen etablieren, auch in den Kitas, so dass die Kinder von Kindesbeinen an lernen, gesund zu essen. 

Was ich immer wieder beschreibe ist, und das wird so unterschätzt: Wenn man 30 Jahre schlecht kaut, züchtet man sich allein dadurch unter Umständen eine Nahrungsmittel-Intoleranz und ein schlechtes Mikrobiom, also eine schlechte Darmflora, Nährboden für so viele Autoimmun-Krankheiten, wie die riesige Zunahme von Erkrankungen wie, zum Beispiel Hashimoto Typ Eins, Multiple Sklerose, Rheuma und so weiter. Wir brauchen auch dazu eine solide Ausbildung in den Schulen. Aber: Wir müssen auch bitte schön den modernsten Stand der Forschung leeren, und nicht das veraltete Wissen, in dem – zum Beispiel – immer noch zu viel Vollkorn-Getreide verherrlicht wird!

Stehen wir also vor großen Veränderungen in unserem Ernährungsverhalten? Und womit sollen wir individuell beginnen, was ist der erste Schritt auf diesem wunderbaren neuen Weg, fragen wir? Wichtig ist: Weniger ist mehr! Bloß keinen übertriebenen Perfektionismus. Also: Ein erster Schritt wäre, morgens aufstehen, wach werden, vielleicht auch mal mit tiefen Atem in den Tag starten, bevor uns das Leben dann wieder herausfordert, und zweitens: Mit zwei schönen – zimmerwarmen – Gläsern Wasser in den Tag starten. Und dann wahrnehmen: Wann habe ich denn einen ehrlichen Hunger? Es ist nicht nur wichtig, was ich esse, sondern auch wie ich esse, wie oft ich esse und wann? Man sollte wirklich nur essen, wenn man im echten Hunger hat, also dieses „emotionale“, aus Langeweile, oder Frust oder Entspannung essen, weglassen.

Hören Sie in unserem Podcast das gesamte, wirklich spannende Gespräch mit der prominenten Medizinerin – kostenlos! 

https://magazine.hamburg/alstercast-dr-anne-fleck-ueber-ihr-neues-buch-energie/

Unsere Buch-Empfehlung: 
ENERGY – Gesund und energiegeladen mit dem ENERGY!-Programm. 432 Seiten.

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Wieviel Frauenquote brauchen wir?

Podcast mit der Lemsahlerin Kristina Tröger

Sie ist eine vielseitige Frau. Unternehmerin, CeU-Präsidentin und Netzwerkerin. Was beschäftigt sie derzeit am stärksten? Wie wichtig sind gemischte Teams? Was ist von der Frauenquote zu halten? Darüber sprach Wolfgang E. Buss mit der Business-Frau in einem Podcast der Reihe AlsterCast.

„Wir leben im 21. Jahrhundert und haben noch immer ein Ungleichgewicht bei Frauen in der Gesellschaft. Insbesondere bei DAX-Vorständen wird das deutlich.“ Kristina Tröger findet klare Worte. Viele Frauen erlebten das nicht so stark. So herrschen zum Beispiel in Berufen wie Lehrerinnen oder Krankenhauspersonal sehr ausgeglichene Geschlechteranteile, in denen es keiner Quote bedarf. Deshalb sind Frauen in mittleren Hierarchien oft gegen die Quote. Dort ist sie nicht wichtig. Je höher allerdings die Positionen in Konzernen werden, desto deutlicher wird sichtbar: Hier haben fast nur noch immer Männer das Sagen. Doch warum ist das so? Die CeU-Präsidentin hat da Erklärungen: Männer ziehen immer Männer nach! Und, das ergänzt sie deutlich: Wir müssen den Frauen sagen: Zieht Frauen nach, wenn ihr in guten Positionen seid.     

Frauen würden viel mehr hinterfragen, so Tröger. Am Beispiel Aufsichtsrat macht sie es deutlich: Wenn ein Mann angerufen wird, ob er einen Aufsichtsrats-Posten annehmen möchte, sagt der sofort: ja! Eine Frau fragt zunächst nach, was ist denn das, was gibt es zu tun, was genau sind meine Aufgaben?

Das Engagement für die Frauen in Unternehmensführungen, warum ist das immer noch so wichtig? Dazu gibt es viele Erklärungen, auch wissenschaftliche. Es habe auch mit der Kinderbetreuung und dem Schulsystem zu tun, besonders bei Alleinerziehenden könne es zu einer Überforderung durch die Doppelbelastung kommen.

Wollen Frauen sich nicht in das Hauen und Stechen begeben? In die Kämpfe in den Konzernspitzen, mit 16-Stunden-Tagen? Dabei seien gemischte Teams, laut der CeU-Präsidentin, das Beste. Und Frauen müssen Frauen nach ziehen.

Tröger spricht sich deutlich für gemischte Teams aus. Nicht für reine Frauen-Teams. Sie seinen wissenschaftlich belegt das erfolgreichere Modell. Sie sind effizienter und haben die besten Ergebnisse im Ertrag. Doch die Konzernspitzen sind oft verkrustet, und was Deutschland angeht, nicht immer flexibel, in Chance-Prozessen oft unterlegen. Es steht die Frage im Raum, hätten wohl Frauen den millionenfachen Abgas-Manipulationen bei VW zugestimmt oder einen anderen Weg beschritten?

Die zwei wichtigsten Positionen in Europa sind mit Frauen besetzt: Angela Merkel als Kanzlerin der größten europäischen Volkswirtschaft und Ursula von der Leyen als Präsidentin der EU-Kommission. Doch Kritiker und Zeitgeschichtler stellen insbesondere Merkel ein bitter schlechtes Zeugnis aus: Nie war die deutsche Gesellschaft so tief gespalten in der Nachkriegsära wie unter Merkel. Und nie konnte eine AfD mit sagenhaften 20 % zur stärksten Opposition im Deutschen Bundestag werden, ein Ausdruck der Abspaltung großer Gesellschaftsgruppen, die sich angewidert von der Merkel-Politik abgewandt haben. Verbindend war da nichts! Man könne nicht alle Frauen über einen Kamm scheren, so Tröger. Einzelne Frauen, wie Merkel, sind nicht typisch für femininen Führungsstil. Auch eine Frau könne zum Machtmenschen werden, und ausgleichende Elemente in den Hintergrund geraten. Mit „typisch Frau“ ist nicht alles zu beantworten. Auch bedeutende Klima-Ikonen – Greta Thunberg und Luisa Neubauer – sind weiblich. Mit ihnen führen zwei junge Frauen die Bewegung. Doch auch Thunberg spaltet die Gesellschaft tief. Mit ihren Beschimpfungen während des Auftritts in der UNO („How dare you?“) behauptete sie, man habe ihr die Zukunft genommen. Kritiker werfen ihr vor, kein Verhältnis zur Realität zu haben. Schließlich lebe sie in einer Welt mit der geringsten Kindersterblichkeit, den meisten Frauenrechten, den wenigsten Hungertoten weltweit, die es je gab. Auch hier reicht Weiblichkeit alleine nicht.

Wie sieht Kristina Tröger die zunehmend eingeschränkte Meinungsfreiheit in unserer Gesellschaft? „Im vergangenen Jahr gab es einen großen Artikel in der ZEIT, nach der 70 Prozent der Bundesbürger ihre Meinung nicht mehr frei sagen wollen“, so Tröger, und das sei beängstigend! Ein Familienvater mit Kindern wird sich in seinem Unternehmen nicht mehr offen zur illegalen Migration äußern – aus Angst, den Job zu verlieren. Aktuell können wir nicht einmal mehr einfach auf die Straße gehen – wegen Corona. „Für mich war die Freiheit immer das Wichtigste in unserer Gesellschaft. Doch was wird aus diesem Land?“, fügt sie hinzu. Mut und Courage fehlen auch in vielen deutschen Medien. Man muss schon genau suchen, guten Journalismus zu finden.

„Wie wird es nach Corona weiter gehen?“, fragt sie sich. „Werden wir uns je wieder so unbeschwert – auch in Gesellschaft – küssen können, wie wir das einst getan haben?“

Welche Tipps hat Kristina Tröger für Unternehmerinnen und ihre Unternehmen aktuell, um die Krise zu bewältigen? „Weiterhin mutig sein, sich selbst stärken – und sich auch um sich selbst kümmern. Und einen guten Spirit behalten. Wir Unternehmerinnen sind eine besondere Spezies und müssen unseren Weg gemeinsam und konsequent weiter gehen!“


Kristina Tröger und der CeU

Kristina Tröger lebt in Hamburg-Lemsahl und äußert sich zu vielen wichtigen Fragen rund um Frauen in Führung, ob als Unternehmerin oder als Managerin. Der Club europäischer Unternehmerinnen e.V. (CeU) wurde auf Initiative von Kristina Tröger am 4. Dezember 2015 in Hamburg mit 40 Unternehmerinnen gegründet.
Alle Gründungsmitglieder waren sich einig, dass die Zeit mehr als reif war für dieses neue und moderne Netzwerk erfolgreicher Unternehmerinnen, das überparteilich und unabhängig Frauen in der Wirtschaft fördert. Mittlerweile sind weit über 700 Macherinnen im internationalen Netzwerk des Clubs vereint.
Wir verstehen uns als „Die moderne Stimme der Unternehmerinnen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“. Dabei geht es erneut um die Frage, warum gibt es mehr Lehrerinnen als männliche Lehrer – aber in den Führungsebenen der Unternehmen eine Männerherrschaft. Kristina ist überzeugt, gemischte Teams wären erfolgreicher!

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„Zukunfts-Republik“

Ein neues Buch, geschrieben von über 80 Autoren, springt mit seinen Lesern in die 2030-er Jahre. Der Alstertaler Unternehmer Philipp Möller und Dr. Christoph Ploß (CDU-Chef in Hamburg) sind Co-Herausgeber – mit einem Blick in die Zukunft. Von Wolfgang E. Buss

Warum man uns Lesern als allererstes einen Tritt in die Magengrube verpasst, um den Hinweis zu bekräftigen, wie „strukturell- oder alltagsrassistisch“ wir doch alle seien, bleibt unbeantwortet. Dr. Irène Kilubi (laut Instagram: Community Building | Corporate Influencer Strategy) jedenfalls darf als Opener und erste Autorin des hier vorgestellten Buches, einen Rundumschlag austeilen. Rassismus und Diskriminierung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund bei der Personalauswahl ständen noch immer im Mittelpunkt, so Kilubi. Sie hätte dem Buch und den folgenden 79 Autoren einen Gefallen getan, differenzierter zu denken. Wir – als Magazin-Verlag-Hamburg – zum Beispiel, sind keine Rassisten – wenn wir Menschen ohne Deutschkenntnisse nicht onboarden können, liegt das alleine an der Sprachbarriere. Das wird auch für 2030 und viele, viele andere Unternehmen gelten! 

„Woran denken Sie, wenn Sie an die Zukunft denken“, fragt der Alstertaler Unternehmer Philipp Möller (Geschäftsführer Möller & Förster GmbH) in seinem Vorwort des Buches als Leitgedanken. Wenn er mit Menschen in seinem Umfeld über Zukunft spreche, treffe er immer wieder auf „German Angst“. Dabei besäßen wir doch eine hohe Reagibilität und Resilienz, neue Ideen umzusetzen. Zukunftsängste, also die Sorge der Deutschen vor den gigantischen Disruptoren Google, Facebook, Amazon und Co. und einer Berliner Bad-Governance, bezogen auf Innovation, sind allerdings schon fast berechtigt. Und dazu macht Möller in seinem Beitrag auch konkrete Vorschläge: So spricht er sich aus für den datengetriebenen und digitalisierten Staat und unterbreitet Politik und Verwaltungen Konzepte, um schnellere und effizientere Verwaltungen zu entwickeln. Das aber muss auch bedeuten, Personal im Staatsdienst den nötigen Changeprozessen anzupassen. Er fordert beim Recruiting junger Talente „digital first“ für den Staatsdienst, sowie den Blick stärker auf das „Digital-Skillset“ der Bewerber zu richten (als auf das rote oder grüne Parteibuch, wie derzeit in Hamburg wieder sehr ausgeprägt üblich, Anm. d. Red). So lautet einer seiner „Zukunfts-Bausteine“ für den digitalen Staat, in vielen Bereichen „KPI-getrieben“ zu operieren, um Soll- und Istgrößen besser zu vergleichen. Folgt man den 2030-Visionen Phillip Möllers, werden wir zahllose Optimierungsreserven identifizieren und nutzen, um so in eine Gesellschaft zu gleiten, in der der Verwaltungs-Staat auf das Smartphone reduziert wird.

Reisen wir ein Stück mit Christoph Ploß in die Zukunft wird schnell klar, die einfache Reduzierung von urbaner Mobilität auf das Fahrrad bleibt etwas für einfache Gemüter und Senatoren, deren höchster Innovationssprung die Erfindung des Fahrradhelms darstellt. Ploß sieht eine Zukunft mit fliegenden Taxis und autonom fahrenden Autos. Eine 5G-Gigabit Technologie, die intelligente und visionäre Mobilität in den Vordergrund von Forschung und Entwicklung stellt, statt sich dauernd vom Abendblatt mit Fahrradhelm-Fotos zum Helden schreiben zu lassen (Anm. der Red.). Wer autonomes Fahren vorantreibt, spart Menschenleben, rechnet Ploß vor. Denn das größte Risiko, um vom Fahrrad oder Auto direkt auf dem Friedhof oder im Krankenhaus zu landen, ist aktuell der Mensch! Alkohol am Steuer, die Schnell-noch-tippen-WhatsApp beim Abbiegen, Aggression bei Radfahrern oder Selbstüberschätzung bei den Autoposern, sind die Gefahren – nicht der Fortschritt. Künstliche Intelligenz wird diese Spezies mit modernster Mobilitätssteuerung und Überwachungstechnologien aus dem Verkehr ziehen, hin zu einer entspannteren Mobilitäts-Gesellschaft. Und das alles zunehmend CO2-frei (rechnet man CO2-Rucksack eine E-Auots einfach mal nicht mit), weil ein Netz intelligenter Ladensäulen das hoch volatile Angebot erneuerbarer Energien kompensieren kann, gestützt von lokalen Wasserstoff-Stationen, die überschüssigen Strom an sonnen- und windreichen Tagen zwischen speichern.

Besonders spannend die Vision des jungen Raoul Roßmann (Rossmann Erbe). Er sieht 2030 bereits als die „Post-Amazon-Ära“, mit revitalisierten Innenstädten, zerschlagenen Konzernen wie Google, Facebook oder eben Amazon. Vereinfacht gesagt, würde ein konsequent angewandtes Kartellrecht (knacken der Monopole) und die direkte Besteuerung der Online-Plattform-Giganten am Point-of-Sale, den Durchbruch bringen. Denn sie gedeihen an der völlig verfehlten Fiskalpolitik (Olaf Scholz) und der für sie künstlich entstandenen Marktvorteile (siehe Pandemie: die Läden sind leer – die Plattform-Umsätze gehen durch die Decke, ohne Ausgleichszahlungen!).  

So ist das Buch insgesamt ein Mutmacherbuch für alle, die Spaß haben, Zukunft neu zu denken. Und für jene, die mit ihrem genaueren Hinsehen das Vertrauen in viele irrlichternde Figuren der Hamburger oder Berliner Politik verloren haben und sich sorgen, das Deutschlands Zukunft verspielt wird.

Zukunftsrepublik: 80 Vorausdenker*innen springen in das Jahr 2030 von Marie-Christine Ostermann , Celine Flores Willers, et al.; campus Verlag

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Der Maler Jost Heyder in einem Gespräch und Podcast mit Wolfgang E. Buss

Was ist Kunst? Und was war Kunst in der DDR?

Jost Heyder ist als Maler ein berühmter Vertreter der sogenannten Neuen Leipziger Schule. Er studierte und arbeitete in der DDR und litt – wie viele andere Künstler – unter der Bevormundung des Links-Faschismus. Angeblich wohlmeinende Kultur-Apparatschicks bestimmten was gute Kunst und schlechte Kunst ist. 

Doch Heyder konnte sich durchsetzen und eine „zweite Karriere“ im vereinten Deutschland beginnen. Der Publizist Wolfgang E. Buss sprach mit dem Künstler in Hamburg.

Zurzeit stellt die „Galerie Alex F.“ in Duvenstedt Jost Heyder aus. https://www.galerie-alexf.de

Die Skizze zu einem Portrait entsteht …

Hier den Podcast mit Jost Heyder hören:

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Patrick Bach spricht Kleiner Dachs

Yakari ist beliebt bei den Kids. Die Geschichten des kleinen Sioux gibt es in Heft- und Buchform, seit 2008 als Zeichentrickserie auf KiKa und seit dem 29. Oktober auch auf der Kinoleinwand – unterbrochen durch den Lockdown – und dann wieder danach. Mit dabei ist Schauspieler Patrick Bach, zumindest seine Stimme. Der Duvenstedter spricht Kleiner Dachs, Yakaris besten Freund. Wir sprachen mit dem 52-Jährigen über Teamgeist und Tierliebe sowie Klischees und Grauzonen.

Alstertalplus.de: Du sprichst seit 2008 den Kleinen Dachs in der KiKa-Zeichentrickserie. Jetzt gibt es einen Kinofilm. War es anders, die Figur fürs Kino einzusprechen?

Patrick Bach: Lustig, die Frage wird mir häufig gestellt. Nein, denn der Ablauf ist ja genau der gleiche … es ist der gleiche Monitor, das gleiche Mikro und das gleiche Studio. Ich spreche die Figur genau wie in der Serie. Es wäre ja auch komisch, wenn ich zu den Produzenten sagen würde, ich habe mir bei der Serie keine richtige Mühe gegeben und jetzt für den Kinofilm, da mache ich es anders. Nein, ich bringe selbstverständlich die gleiche Leidenschaft und Freude mit. Was anders ist, ist das Danach: große Leinwand, roter Teppich, Gespräche auf der Bühne – in diesem Fall mit Nova Meierhenrich als Moderatorin. Es ist klasse, diesen Film auf einer großen Leinwand zu sehen, denn in der Kinofassung ist er grafisch etwas aufwendiger gestaltet als die Serie und teils sogar 3D-animiert. Da kommt schon das schöne Gefühl hoch „wir machen Kino“ und man ist stolz.

Diana Amft (spricht den Biber Lindenbaum, d.Red.) und Patrick Bach bei der Weltpremiere des Kinofilms im Zeise. © 2020 LEONINE / Nils Jaspersen

Den roten Teppich gab es gerade in Hamburg bei der Weltpremiere des Films. Was war das für ein Gefühl, wahrscheinlich nach längerer Zeit, mal wieder eine Premiere zu feiern?

Das war schön und hat viel Spaß gemacht, Diana Amft (spricht den Biber Lindenbaum, d.Red.) und ich waren ja quasi die Mainacts. Ich kenne Diana ein wenig vom Synchronsprechen, sie ist witzig und lieb. Es war ein schöner Tag, auch deswegen, weil wir das ganze Team, also auch die Zeichner kennen gelernt haben – einfach alle, die für den Film verantwortlich sind, auch die Leute hinter den Kulissen. Das ist eine Ausnahme.

Ist man beim Sprechen seiner Rolle denn immer ganz alleine?

Nicht ganz, da ist der Cutter, der bei einem sitzt, und hinter der Scheibe gibt es noch Ton und Regie. Es sind in der Regel also vier Personen anwesend. Zumindest beim Kinofilm.

Deine Figur Kleiner Dachs ist ja ein wenig tolpatschig. Was gefällt dir an ihr und gibt es Gemeinsamkeiten?

Die Freude und die Energie und den Willen etwas zu schaffen, da bin ich ganz bei Kleiner Dachs. Okay, dass ich manchmal ein bisschen tolpatschig bin, will ich gar nicht ausschließen … Es gibt schon einige Parallelen. Aber auch zu Yakari, falls ich ihn gesprochen hätte, ich bin ebenfalls jemand, der positiv denkt und nach vorne prescht. Bin genauso hilfsbereit. Aber das haben wir doch alle unterschiedlich ausgeprägt in uns. Trotzdem finde ich es immer schöner, den Antagonisten zu spielen oder zu sprechen. Weil es meist die interessantere Rolle ist, Fieslinge sind in Serien immer interessanter als der Sonnyboy. Da ich oft als Schwiegermuttersliebling besetzt werde, bin ich froh auch mal andere Rollen zu bekommen, bei SOKO Stuttgart war ich letztens der Mörder.

Spricht seit 2008 den Kleinen Dachs für die KiKa-Serie und nun auch Yakaris besten Freund in der Kinoversion: Patrick Bach aus Duvenstedt. © 2020 LEONINE

Was gefällt dir an Yakari?

Vieles. Zum einen hat mich immer die Tatsache fasziniert, dass die Serie Yakari trotz des recht einfachen Zeichenstils – ist ja mehr so Biene Maja-Style – in Zeiten moderner und hochanimierter Trickfilme ein Riesenerfolg war und ist. Weil die Geschichten, die Botschaften, funktionieren. Es geht nicht, wie meist üblich, um irgendwelche Sci-fi-Superhelden, die sich mit modernsten Waffen schlagen und kämpfen, sondern um Teamgeist, Mut, Zusammenhalt, Liebe und vor allem um den richtigen Umgang mit den Tieren und der Natur – gerade das ist heutzutage in Zeiten von Massentierhaltung, Artensterben und Klimaerwärmung immer noch ein brisantes Thema.

Meine Kinder sind mit der Serie großgeworden, haben zwei bis drei Staffeln gesehen und sind mit den Hörspielen eingepennt. Wir haben uns alle gefreut, dass nun ein Kinofilm kommt.

Es gab und gibt ja Diskussionen um Indianerkostüme beim Fasching und klischeehafte Rollen von Indianern in Filmen – Klischees werden ja auch bei Yakari bedient. War das Thema bei euch?

Das kam natürlich auf, auch die Frage, was man noch sagen darf (Pause) … Ich finde das unheimlich schwierig, denn ich bin mit diesen ganzen Sachen aufgewachsen, wir haben früher als Kinder Cowboy und Indianer gespielt und es gab damals einen Mohrenkopf und Negerküsse. Es gibt bestimmte Begriffe und Begrifflichkeiten, die sollte man aus rassistischen und moralischen Gründen nicht benutzen, deswegen finde ich es richtig, diese, wie auch die beiden eben genannten Namen, zu streichen. Aber warum sollte man keine Indianer mehr zeigen können. Oft ist es doch so, dass es die betroffenen Gruppen gar nicht stört, wir uns aber sehr viele Gedanken dazu machen. Man weiß ja in vielen Fällen gar nicht mehr, was man noch sagen darf. Und was mich an derartigen Diskussionen besonders stört, ist die Tatsache, dass es keine Grauzonen mehr gibt, sondern immer nur noch Schwarz oder Weiß. Wir leben in einer Zeit, in der man anscheinend nur dafür oder dagegen sein kann. Ein „lass uns doch mal in der Mitte treffen“ fällt komplett weg. Und wenn du dich dann für eine Seite entscheidest, kommt der mediale Shitstorm von der anderen. Aus diesem Grund kann man ja kaum noch unbeschadet Stellung zu wichtigen Themen beziehen – das ist leider ganz schlimm geworden.

Du hast ja schon einige Figuren synchronisiert, Zeichentrickfiguren wie Kleiner Dachs, aber auch Personen wie etwa Frodos Gärtner Samweis Gamdschie – was macht mehr Spaß, Menschen oder Zeichentrickfiguren?

Die reale Synchronisation ist natürlich näher an einem dran, es gibt mehr Menschlichkeit. Beim Zeichentrickfilm ist hingegen interessant, in die unterschiedlichen Chargen reinzugehen. Man hat viel mehr Möglichkeiten, die Stimme so zu verändern, dass man verschiedenste Tiere oder Figuren darstellen kann. Das macht wahnsinnig viel Spaß. Und klar, die Rolle des Samweis Gamdschie im „Herr der Ringe“ ist die größte Synchronarbeit, die ich machen durfte. Sie steht für mich, obwohl sie fast 20 Jahre zurückliegt, immer noch ganz oben auf meiner Liste.

Yakari ist jetzt draußen, was gibt es an weiteren aktuellen Projekten?

Ich habe einiges aufgenommen, das noch ausgestrahlt wird. Beispielsweise habe ich gerade bei einer bekannten und erfolgreichen TV-Serie mitgemacht – bei der ein Tatortkommissar mitspielt und dessen Namen ich vor Ausstrahlung leider nicht nennen darf –, bei der viel „Freestyle“ dabei ist. Man erhält lediglich vor dem Dreh einen roten Faden durch die Geschichte, dann sabbelt man drauflos. Das war eine interessante Erfahrung und sehr witzig. Ebenfalls abgedreht sind Handpuppenfolgen für KiKa. Ich bin ein Erdmännchen-Zahnarzt. Das wird Ende November ausgestrahlt. Es folgen auch noch einige feste Synchronrollen bis Ende des Jahres. Beispielsweise bin ich Nikolas Lüthi in der Serie „Die Punkies“. Das ist eine fünfköpfige Rock-Pop-Band – drei Jungs und zwei Mädels –, die bei ihren Gigs immer in Abenteuer hineinschlittern. Das Schöne an der Arbeit zur Serie ist, dass es auch einige Songs gibt und dass die Folgen im Ensemble aufgenommen werden. Das sorgt für Abwechslung und Spaß. Kai Wehl

Inhalt des Kinofilms:

Yakari hat einen Traum: Er möchte eines Tages auf Kleiner Donner reiten, dem Wildpferd, das noch von keinem Sioux gezähmt werden konnte. Als die Jäger seines Stammes eine Herde Mustangs einfangen, kann Kleiner Donner mit einem mächtigen Sprung wieder entkommen. Yakari folgt dem jungen Pferd und befreit es, als es seinen Huf unter einem Felsen eingeklemmt hat. Für diese mutige Tat verleiht ihm Großer Adler, Yakaris Totemtier, die Gabe, mit Tieren zu sprechen. Auf der Suche nach Kleiner Donner gerät Yakari in einen reißenden Fluss. Er klammert sich an einen Baumstamm, stürzt aber dennoch einen Wasserfall herab und treibt den Fluss hinunter, weit weg von seiner Heimat. Nun ist es Yakari, der die Hilfe von Kleiner Donner braucht: Gemeinsam machen sie sich auf den weiten und abenteuerlichen Rückweg durchs Gebirge. Dabei treffen die beiden nicht nur viele verschiedene Tiere, es machen ihnen auch Kälte und Hunger zu schaffen. Dazu sind ihnen Jäger eines feindlichen Stammes auf der Spur und ein Sturm droht, Yakaris Eltern, die auf der Suche nach ihrem Sohn sind, in Gefahr zu bringen… Kinostart 29.10.

Der Kinofilm, der laut Patrick Bach etwas moderner als die Serie daherkommt startet ab heute (29.10.) im Kino. © 2020 LEONINE

Aufmacherfoto: Patrick Bach spricht im Yakari-Kinofilm Kleiner Dachs. © 2020 LEONINE

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Ohlstedterin Christiane Blömeke ist neue BUND Hamburg-Vorsitzende

Der Hamburger Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hamburg) hat eine neue Vorsitzende. Auf ihrer Jahreshauptversammlung am Samstag im Bürgerhaus Wilhelmsburg wählten die BUND-Mitglieder mit großer Mehrheit die 60-jährige Umweltpädagogin und Kommunikationstrainerin Christiane Blömeke als Nachfolgerin von Maren Jonseck-Ohrt.

Diese stellte sich nach mehrfacher und langjähriger Amtszeit als Vorsitzende nicht mehr zur Wahl, übernahm jedoch das Amt einer Beisitzerin im Vorstand. Als stellvertretende Vorsitzende wurden der Steuerberater und Luftverkehrs-Kritiker Martin Mosel sowie der Physiker Dr. Wolfgang Lührsen gewählt.

Weitere Beisitzer im Vorstand sind der Leiter des Fachgebiets Stadtplanung und Raumentwicklung der HCU, Professor Jörg Knieling, sowie der Energie- und Verfahrenstechniker Jens Niemann. Neuer Schatzmeister ist der Diplom-Kaufmann Andreas Tjaden, der das Amt von Jutta Becher übernimmt, die aus Altersgründen nicht mehr kandidierte. Als Sprecherin der BUNDjugend im Vorstand wurde Anna Benferlou mit ihren Vertreterinnen Julia Lenz und Linnea Birth bestätigt.

Mit Christiane Blömeke steht nun eine Frau an der Spitze des Umweltverbands, die sich bereits vor über 30 Jahren beim BUND Hamburg engagierte, insbesondere im Bezirk Wandsbek und im Bereich der Umweltbildung. Von 2004 bis zum Frühjahr 2020 war sie Abgeordnete der Hamburger Bürgerschaft, unter anderem als stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen und deren Sprecherin für Gesundheit und Sport, Pflege, Senioren sowie Verbraucher- und Tierschutz. Ihre Entscheidung, im Frühjahr 2020 nicht mehr zur Bürgerschaftswahl anzutreten, begründete Blömeke u.a. damit, dass sie sich „noch freier und konsequenter“ für den Klima-, Umwelt- und Naturschutz einsetzen wolle.

Dies unterstrich Christiane Blömeke auch in ihrer Antrittsrede am späten Samstagabend in Wilhelmsburg: „Wir dürfen nicht vergessen, dass neben der Corona-Pandemie die Folgen des Klimawandels und der dramatische Rückgang von Tier- und Pflanzenarten unser Leben existenziell bedrohen. Hier sind die Expertise und das Einmischen des BUND auch in Hamburg wichtiger denn je. Als Landesvorsitzende möchte ich den BUND darin bestärken, den Weg eines politischen Umweltverbandes weiterzugehen, dort unbequem zu sein, wo es für unsere Zukunft erforderlich ist und die Politik zum Handeln zu bewegen – für die Natur, für eine intakte Umwelt, für Klimaschutz und Nachhaltigkeit.“

Aufmacherfoto: Christiane Blömeke hat sich bereits vor über 30 Jahren für den BUND Hamburg engagiert, jetzt ist sie die neue Vorsitzende und möchte sich nach langen Jahren als Grüne in der Hamburger Bürgerschaft – in diesem Jahr war Schluss – „noch freier und konsequenter“ für den Klima-, Umwelt- und Naturschutz einsetzen. © BUND Hamburg